Erinnerung weitertragen beim Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf

Beim 20. Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf am Karfreitag 2026 wurde Erinnerung sichtbar gemacht.

Zum zweiten Mal waren wir mit einem Infostand vor dem Stadion Rote Erde (dem Startpunkt des Laufs) in Dortmund beteiligt. In diesem Jahr wurde der Stand maßgeblich von Teilnehmenden zweier Bildungsprojekte gestaltet. Die Jugendlichen hatten sich in den Wochen zuvor intensiv mit der Geschichte von Heinrich Czerkus auseinandergesetzt und an kreativen Projekten gearbeitet, mit denen sie die Erinnerung an den BVB-Platzwart und Widerstandskämpfer weitertragen und beim Gedächtnislauf der Öffentlichkeit präsentieren wollten.

Am Veranstaltungstag selbst wurde der Stand zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Die Jugendlichen präsentierten ihre kreativen Ergebnisse und füllten den Stand mit Leben. Zwischen selbst gestalteten Materialien entstanden zahlreiche Gespräche mit Besucher*innen. Die Jugendlichen berichteten von ihren Projekten, beantworteten Fragen und setzten mit Stickern und Schlüsselanhängern sichtbare Zeichen gegen Diskriminierung und für Erinnerung. Besonders sichtbar waren zwei selbst gestaltete Banner, die in Erinnerung an Heinrich Czerkus gesprüht wurden sowie ein Schild, das die Jugendlichen präsentierten.

Die Jugendlichen kamen aus zwei unterschiedlichen ZWEITZEUGEN-Bildungsprojekten, an denen insgesamt 92 junge Menschen teilgenommen hatten.
In Kooperation mit dem BVB-Lernzentrum hatte sich eine Gruppe Schüler*innen des Goethe-Gymnasiums im Rahmen einer Heinrich-Czerkus-Projektwoche mit seiner Geschichte auseinandergesetzt und kreative Ergebnisse entwickelt, die später beim Gedächtnislauf präsentiert wurden.

Parallel dazu fand in den Osterferien ein dreitägiges inklusives Bildungsprojekt mit Jugendlichen aus Wohngruppen des ev. JHZ Johannes Falk in Kooperation mit dem Fan-Projekt Dortmund statt. Auch hier beschäftigten sich die jungen Menschen intensiv mit Heinrich Czerkus’ Biografie, gingen auf Spurensuche in seinem ehemaligen Viertel rund um den Dortmunder Borsigplatz und gestalteten Erinnerung im Rahmen eines Graffiti-Workshops.

Am Ende beider Projekte stand das gemeinsame Ziel, die Erinnerung an Heinrich Czerkus sichtbar zu machen und im Rahmen des Gedächtnislaufs Jugendlichen zu ermöglichen, sie in die Öffentlichkeit zu tragen.

Doch wer war Heinrich Czerkus?

Heinrich Czerkus war Platzwart bei Borussia Dortmund und großer Fan. Als Kommunist stellte er sich gemeinsam mit anderen Widerstandskämpfer*innen dem Nationalsozialismus entgegen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er im Frühjahr 1945 zusammen mit hunderten weiteren Widerstandskämpfer*innen, Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen von der Gestapo ermordet.
An ihn und die vielen weiteren Opfer erinnert der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf seit inzwischen 20 Jahren. Die Strecke führt vom Stadion Rote Erde über den Rombergpark bis in die Bittermark. Dort findet jedes Jahr am Mahnmal eine städtische Gedenkveranstaltung statt.
Der Gedächtnislauf wird von den NaturFreunden Dortmund Kreuzviertel, Borussia Dortmund, dem Fan-Projekt Dortmund und dem BVB Fanclub Heinrich Czerkus organisiert. Er erinnert an die Opfer nationalsozialistischer Gewalt und verbindet Gedenken mit einem klaren gesellschaftlichen Auftrag.

Der Gedächtnislauf setzt ein Zeichen für ein friedliches und gewaltfreies Miteinander. Die Jugendlichen haben dieses Zeichen auf ihre eigene Weise mitgetragen. Sie haben Geschichte nicht nur kennengelernt, sondern ihre Erkenntnisse mit anderen geteilt, Gespräche angestoßen und Erinnerung sichtbar gemacht.

So wurde aus zwei Bildungsprojekten ein gemeinsamer Beitrag zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum und aus Erinnerung eine Botschaft für die Gegenwart.

Und genau darum geht es: Geschichten nicht nur zu hören, sondern sie weiterzutragen.

Danke an die engagierten Teilnehmenden aus beiden Bildungsprojekten sowie an das BVB-Lernzentrum und das Fan-Projekt Dortmund e.V. für die tolle Zusammenarbeit.

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