Ein musikalischer Erinnerungsraum in Bewegung
Schon in den ersten Minuten zeigte sich: Diese sechste Klasse ist etwas Besonderes. Sensibel, reflektiert, offen – und von Anfang an bereit, sich auf Neues einzulassen. Andi und unsere Workshopleitung Ksenia nahmen die Schüler*innen mit auf eine Reise, die musikalisches Experimentieren mit historisch-politischer Bildung verband.
Tag 1
ZWEITZEUGEN-Workshop zu Michaela Vidlakova
Zum Auftakt erlebte die sechste Klasse einen intensiven ZWEITZEUGEN-Workshop: Die Schüler*innen lernten die Geschichte von Michaela Vidlakova kennen, sprachen über jüdisches Leben, Verfolgungserfahrungen und darüber, wie Antisemitismus bis heute wirkt. Die Klasse zeigte sich außergewöhnlich reflektiert, offen und empathisch. Viele beschrieben bereits nach diesem ersten Tag starke Eindrücke, Fragen und Gefühle – ein Fundament, das am zweiten Tag kreativ weitergeführt wurde.
Tag 2
Vom Erinnern zum Klang
Ausgehend von ihren Eindrücken des ersten Tages leitete Musiker Andi Teichmann die Schüler*innen in eine musikalische Annäherung an Erinnerung. Was ist Musik? Welche Atmosphäre möchten wir ausdrücken? Wie klingen Gegenstände, wie klingt ein Gefühl? Es folgten Klangerkundungen, das Sammeln von Verben und Adjektiven für Geräusche, Übungen zu Rhythmus und zu räumlichem Hören (›Warum haben wir zwei Ohren?‹). Kurze Einblicke in die Kunst- und Musikgeschichte des Nationalsozialismus machten deutlich, wie Künstler*innen ausgegrenzt, vertrieben oder ermordet wurden – und warum nach 1945 neue Wege gesucht werden mussten. Ein Videoausschnitt von John Cages ›Water Walk‹ öffnete schließlich den Raum für experimentelle Zugänge: Alles kann Musik sein.
Gemeinsame Komposition & Aufnahme
In kleinen Schritten entstand eine gemeinsame Komposition: ausprobieren, zuhören, Gefühle übersetzen, Entscheidungen treffen.
Welche Eindrücke des ZWEITZEUGEN-Workshops wollen wir hörbar machen? Der Moment der Live-Aufnahme war konzentriert und getragen vom Bewusstsein: ›Wir nehmen live auf – alles zählt.‹
Abschluss eines besonderen Projektjahres
Das Feedback der Schüler*innen war begeistert – viele beschrieben die zwei Tage als ›voll spannend‹ und ›ganz neu‹, sowohl musikalisch als auch historisch und menschlich. Mit diesem Projekt endet unsere vierteilige Zusammenarbeit mit der Marc Sinan Company in diesem Jahr. Jeder Workshop war anders, alle waren bereichernd.
Herzlichen Dank an alle Musiker*innen und die Marc Sinan Company für diese inspirierende Zusammenarbeit – und an alle Beteiligten, die diese Formate ermöglicht haben.
Der finale Take zeigt eindrucksvoll, wie viel Achtsamkeit, Mut und Kreativität die Schüler*innen mitbrachten.