Dieser Text wurde von den ZWEITZEUGEN-Multiplikator*innen Doreen Nordhues und Benedikt Winkelmann verfasst.
Neigungsprojekte am Herwig-Blankertz-Berufskolleg in Recklinghausen
Von der Geschichte in die Gegenwart – Demokratie braucht Erinnerung
Doch das Projekt blieb nicht beim historischen Rückblick stehen. Im Zentrum stand die Frage: Was hat jüdische Ausgrenzung damals mit unserer Gesellschaft heute zu tun? Die Schülerinnen und Schüler setzten sich mit Mechanismen von Diskriminierung, Vorurteilen und Ausgrenzung und Antisemitismus auseinander und übertrugen diese kritisch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Dabei wurde deutlich, wie schnell demokratische Werte ins Wanken geraten können – und wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen.
An dem Projekt beteiligt waren Lernende aus der Internationalen Förderklasse (IFK), der Berufsfachschule Kosmetik, der Berufsfachschule Gesundheit sowie der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Gesundheitswissenschaften. Die Zusammenarbeit über unterschiedliche Bildungsgänge hinweg ermöglichte vielfältige Perspektiven und intensive Diskussionen.
Das entstandene Video macht diesen Transfer sichtbar: Es verbindet die Lebensgeschichte von Henny Brenner mit heutigen Formen von Ausgrenzung und zeigt, warum Erinnerungsarbeit untrennbar mit Demokratiebildung verbunden ist. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung, indem sie historische Erfahrungen in die Gegenwart übersetzen und daraus klare Impulse für ein respektvolles und solidarisches Miteinander ableiten.
Begleitet wurde das Projekt von den Lehrer*innen Benedikt Winkelmann & Doreen Nordhues.
»Der Workshop von Zweitzeugen e.V. war für uns der Ausgangspunkt dieses Projekts. Dort haben wir die Lebensgeschichte von Henny Brenner kennengelernt – und ich war tief beeindruckt, wie offen und ernsthaft sich die Schüler*innen auf diese Geschichte eingelassen haben. Besonders berührt hat mich, wie reflektiert sie Bezüge zur Gegenwart hergestellt haben: Zu Ausgrenzung, Vorurteilen und demokratischer Verantwortung heute. Für mich als Politiklehrerin ist es etwas sehr Besonderes zu erleben, wenn historische Erinnerung nicht abstrakt bleibt, sondern zu einer Haltung im Hier und Jetzt führt.«
Doreen Nordhues (Lehrerin)
»Die Überlebensgeschichten ›unserer‹ Zeitzeugen haben mich während des Wochen-Workshop von ZWEITZEUGEN e.V. in Winterswijk emotional tief bewegt. Im schulischen ›Update‹ und der ersten Anwendung dann zwei Wochen später in Recklinghausen während unserer Projektwoche war das Teilen der Geschichte von Henny im Kontext der systematischen Ausgrenzung von als Juden*Jüdinnen verfolgten Menschen in der NS-Diktatur mit unseren unterschiedlichsten Schüler*innen noch einmal durch deren jugendlichen, ernsthaften und tiefen Zugang wieder anders eindrucksvoll und emotional. Vor allem, wie Schüler*innen mit eigener Migrations- und Fluchtgeschichte ihre eigenen Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung in Resonanz mit den Geschichten unserer Übergebenden bringen und als gemeinsamen Auftrag für Demokratie und Freiheit sehen: ›Denn ihr seid jetzt meine Zeitzeugen, Vergesst das nicht.‹ (Eva Weyl)«
Benedikt Winkelmann (Lehrer)
Wir danken allen Beteiligten für ihr großes Engagement und ihren wichtigen Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur und einer starken demokratischen Schulgemeinschaft.